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Die Lafnitz

Hochwasserschutz an der Lafnitz

Die Lafnitz stellt aufgrund des

  • Vorhandenseins noch vieler Elemente eines natürlichen Flußlaufes
  • der geographischen Lage zwischen dem Alpenvorland und der Pannonischen Tiefebene
  • und der Jahrtausende alten Funktion als Grenzlinie
eine Besonderheit dar.

Die Lafnitz entspringt oberhalb von Lafnitzeck im Gebiet der Gemeinden Vornholz und Wenigzell. Mit vielen anderen Quellbächen aus den Hochlagen zwischen Wechsel- und Masenbergmassiv entwickelt sie sich rasch zu einem mitunter reißenden Wildbach. Zunächst in relativ gestreckten, tief eingeschnittenen Tälern fließend, setzt sie nach dem Austritt aus dem kristallinen Grundgebirge (Rohrbach-Lafnitz) ihren Lauf im Tertiär als immer stärker mäandrierender Fluß bis ins Tiefland fort.
Bei einer Lauflänge von rund 110 km erreicht das Einzugsgebiet eine Größe von 1994 km2.
Nur einige Kilometer nachdem sie die Feistritz deren Einzugsgebiet 850 km2 umfaßt - aufnimmt, mündet sie in die Raab, die in einem großen Bogen aus dem oststeirischen Hügelland kommend in Richtung kleiner ungarischer Tiefebene fließt.
Der Höhenunterschied zwischen dem höchsten Punkt der Wasserscheide (1740 m, Hochwechsel) und dem Mündungspunkt (215 m) beträgt zirka 1500 m.
Das Sohlgefälle baut sich vom Oberlauf (Waldbachmündung) mit 15 ‰ auf 6 ‰ im Mittel- und 1,2 ‰ im Unterlauf in Form einer durchhängenden Kurve sukzessiv ab.
Im Mündungsprofil wird die Abflußspitze eines Hochwasserereignisses mit hundertjährlicher Eintrittswahrscheinlichkeit (HQ100) mit 770 m3/s angegeben.
In der österreichischen Wetterkarte nehmen sowohl die Oststeiermark als auch das südliche Burgenland als Randzonen des pannonischen Klimas - das Lafnitzeinzugsgebiet unterliegt sowohl dem kühleren, mitteleuropäisch-montanen als auch dem feucht-warmen illyrischen Klimaeinfluß - zweifelsohne eine Sonderstellung ein. Diese Gebiete zählen deshalb auch zu den wärmsten und niederschlagsärmsten Landesteilen. Andererseits wird eine hohe Zahl von Tagen mit Gewittern und sommerlichen Starkregen registriert, die wiederum Ursache vieler plötzlich auftretender Hochwässer mit Folgeschäden sind.
Aus naturräumlicher und flußmorphologischer Sicht ist jenem Abschnitt der Lafnitz, der heute den Grenzverlauf zwischen dem Burgenland und der Steiermark bildet und weitgehend unverbaut geblieben ist, größte Bedeutung beizumessen.
Die Lafnitz zeigt hier viele Elemente eines durch Wasserbaumaßnahmen noch wenig beeinträchtigten Flußbettes. Durch die noch weitgehend vorhandene, natürliche Flußdynamik (Dynamisches Gleichgewicht) unterliegen Sohle, Ufer und Aue ständigen Veränderungen. Am besten sind diese ständigen Veränderungen daran zu erkennen, daß die seinerzeit nach dem Lauf der Lafnitz gezogenen politischen Grenzen in vielen Abschnitten vom tatsächlichen Verlauf der Lafnitz stark abweichen. Dies hat zur Folge, daß in diesem Grenzbereich sowohl burgenländisches als auch steirisches Landesgebiet zu beiden Seiten der Lafnitz zu liegen kommt.
Der Umstand, daß die Lafnitz im Mittel- und Unterlauf nicht in der tiefsten Lage des Tales fließt - sie bildet hier einen Dammuferfluß - ist ein weiteres markantes Merkmal dieses Flußabschnittes. Abnehmendes Sohlgefälle und Uferbewuchs führen zur Verringerung der Strömungsgeschwindigkeit. Das dadurch bedingte Absetzen der Fest- und Schwebstoffe führt zur Bildung von Uferdämmen und somit zur Hebung des Flußbettes. Diese Uferdämme fallen zum Gewässer hin relativ steil ab, landseitig laufen sie hingegen flach aus.

Bodenaufbau
Die tertiären Ablagerungsschichten des Talbodens sind von leicht erodierbaren Sedimenten überlagert. Im Nahbereich des Dammuferflusses befinden sich leichte, sandige Böden mit wechseltrockenem Wasserhaushalt. In den an den Talbodenrand abgedrängten Tiefenlinien herrschen schwere, bindige Böden mit stagnierendem Wasserüberschuß vor.

Flußbett

Variable Breiten und Tiefen im Sohlbereich sorgen für ein reichhaltiges Unterwasserrelief. Flachwasserzonen und Kolke wechseln sich ab. In Buchten haben sich Tiefstellen mit Kehr- und Stillwasserzonen (Laichhabitate) eingestellt. Das Bett wird großteils von naturnah erhaltener Ufervegetation begleitet. Der Gehölzanteil ist an der Mittelwasserlinie sehr hoch. Strünke, Äste, ins Wasser hängende Zweige und in den Fluß gestürzte Bäume füllen das Gewässerbett mit Holzstrukturen und tragen zur Differenzierung des Lebensraumangebotes bei. Bei Nieder- bzw. Mittelwasserführung und speziell an den Gleitufern liegen je nach Raumangebot Sand- und Kiesbänke frei. Vereinzelt haben sich Inselbildungen eingestellt, die seltenen Verlandungsgesellschaften Platz bieten. An den Prallufern werden Lehmschichten bzw. sandige Lagerungen angeschnitten, sodaß sich stellenweise senkrechte oder sogar überhängende Steilwände ausbilden. Die vorhandene Gewässerdynamik führt auch zu seitlichen Aushöhlungen und zum Freilegen von Wurzelstrünken und Wurzelgeflecht.

Umland

An das Ufer grenzen vielfältige Strukturen wie Wiesen, Hecken, Solitärgehölze und Ackerflächen an. Hecken und Flurgehölze schaffen manchmal unterschiedlich breite Querverbindungen zwischen dem Fließgewässer- und dem Talbodenrand. Aus der Verbindung dieser Linienbiotope resultiert eine Erhöhung der Artenvielfalt. Im Gegensatz zur noch reichlich vorhandenen flußmorphologischen Strukturvielfalt sind ehemals weit verbreitete Auwaldstrukturen nur mehr kleinsträumig vorhanden. Im Gewässernahbereich finden sich mitunter muldenartige Flächen, die vom Fließgewässer zumindest zeitweise abgetrennt sind und vorübergehend sogar austrocknen können. Hiebei handelt es sich um Reste eines weitverzweigten Fließgewässernetzes.