„Murerleben“ - 20 Jahre Förderprogramm LIFE in Österreich
Eine Erfolgsgeschichte für den Natur- und Gewässerschutz

Unter dem Titel „Murerleben - Inneralpines Flussraum-Management Obere Mur" wird in Zusammenarbeit zwischen dem Land Steiermark, dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft sowie den örtlichen Gemeinden und Fischereiberechtigten das LIFE+ Natur-Projekt realisiert. Ziele sind u.a. die Verbesserung des passiven Hochwasserschutzes, sowie die Verbesserung und langfristige Sicherung der naturnahen Flusslebensräume.
Europäische Union - 20 Jahre Förderprogramm LIFE
Österreich hat eine große landwirtschaftliche Vielfalt mit vielen seltenen, naturnahen und ursprünglichen Lebensräumen. Diese zu bewahren und zu entwickeln stellt eine schwierige Aufgabe dar und bedeutet Verantwortung zu übernehmen. Dabei wird Österreich seit mehreren Jahren auch von der Europäischen Union unterstützt. LIFE-Natur zählt zu den wichtigsten Förderinstrumentarien für den Naturschutz. Viele Vorhaben wären in der Vergangenheit ohne dieses Angebot der EU nur schwer umsetzbar gewesen. Im Zeitraum zwischen 1996 und 2012 wurden aus Mitteln von LIFE-Natur bundesweit 45 Naturschutzprojekte mit einem Projektvolumen von insgesamt rund 154 Millionen Euro gefördert. Österreich hat die Förderschiene LIFE sehr gut ausgenutzt. Durch LIFE-Natur wurden wichtige Naturschutzmaßnahmen umgesetzt. Dadurch verbesserte sich auch das Wissen über naturschutzfachlich wertvolle Lebensräume und notwendige Managementmaßnahmen. Was LIFE-Projekte im Kleinen erprobt haben, kann im Rahmen der Natura-2000-Gebiete großräumig umgesetzt werden. (Nähere Infos: www.lebensministerium.at)
Lebensqualität erhalten - Ressourcen nachhaltig sichern
Umweltminister Niki Berlakovich: "Bisher hat das Lebensministerium rund 5,4 Millionen Euro in steirische LIFE-Flussprojekte an Mur, Enns und Lafnitz investiert. Damit haben wir Hochwasser- und Naturschutzmaßnahmen im Ausmaß von mehr als 14 Millionen Euro ermöglicht. So erhalten wir gemeinsam wertvollste Lebensräume für Tiere und Pflanzen und damit Lebensqualität für uns und unsere Kinder."
Landesrat Johann Seitinger: „Österreich hat die Nase vorne, wenn es um die Genehmigung von LIFE+-Naturschutzprojekten geht. Diese sind besonders erfolgreich, weil einerseits Mittel aus Brüssel abgeholt werden und zusätzlich Hochwasserschutz- und Revitali-sierungsmaßnahmen sichergestellt werden. Wir geben dem Wasser Raum und versuchen gleichzeitig, Siedlungsräume zu schützen.
„Murerleben" ist in der Steiermark das nunmehr bereits sechste LIFE+-Projekt an einem steirischen Fluss-ein Vorzeigeprojekt von europäischer Dimension. Die Besonderheit des LIFE-Projektes ist, dass die vielfältigen Anforderungen an unsere Flüsse in enger Zusammenarbeit zwischen Naturschutz, Flussbau und Gemeinden, der Bevölkerung und den Fischereiberechtigten beispielhaft gelöst werden. Mit diesem Projekt geben wir der Natur ein Stück zurück. Und der Fluss ist Bildungs- und Erholungsraum für Kinder und Jugendliche, aber auch ältere Menschen. Hier wird ein Bezug zum Wasser und seiner Wirkung geschaffen, hier wird das Bewusstsein für Naturkreisläufe sensibilisiert. Die großartigen Schulprojekte zeigen, mit wie viel Begeisterung und Kreativität sich die jungen Menschen für dieses Projekt engagieren. Trotz der schwierigen Budgetsituation werden in den nächsten Jahren mit der Kofinanzierung durch Mittel der EU und des Bundes die Maßnahmen dieses LIFE+-Projektes einen wichtigen Beitrag zum Hochwasserschutz aber auch zur Verbesserung des „Lebens- und Erlebnisraumes Fluss" leisten."
Landesrat Dr. Gerhard Kurzmann: „Als Naturschutzlandesrat freut es mich besonders, dass mit den ‚Life-Natur-Projekte‘ einem großen Lebensraumverlust entgegen gewirkt werden kann. Das konkrete Projekt in Apfelberg ist nicht nur für die Au von besonderer Bedeutung, sondern hat auch einige Schüler, Kinder und Jugendliche dazu bewegen können, sich intensiv mit dem Projekt auseinander zu setzen. Und das ist schließlich eines der zentrale Kriterien im Naturschutz: Die Sensibilisierung!"
„Murerleben" - das LIFE+ Projekt an der Oberen Mur
Das 1.309 ha große NATURA-2000-Gebiet „Ober- und Mittellauf der Mur mit Puxer Auwald, Puxer Wand und Gulsen" bildet den geographischen Rahmen des LIFE+ Projektes. Das Projektgebiet erstreckt sich über die drei Bezirke Murau, Murtal und Leoben. Die Obere Mur gilt als eine der ökologisch wertvollsten Flussstrecken Österreichs. Ziel des Projektes ist die Rückgewinnung von naturnahen Flusslebensräumen sowie der Erhalt von gefährdeten Tier- und Pflanzenarten.
In der ersten Projektphase von 2003 bis 2007 wurde der Durchgängigkeit der Mur, der Wiederherstellung und Sicherung von typischen gewässermorphologischen Strukturen sowie Strukturen und Lebensräumen der Mur-Auen besondere Bedeutung beigemessen.
„Murerleben neu": Life+ Projekt (2010 bis 2015) - es gibt noch viel zu erreichen
Im LIFE+ Natur-Projekt „Murerleben" (2010-2015) sind Investitionen von insgesamt 2,8 Mio. Euro geplant. 50 % dieses Projektvolumens werden von der Europäischen Kommission gefördert. Der nationale Anteil wird zu einem wesentlichen Teil vom BMLFUW finanziert, der Rest wird von Kofinanziers bereitgestellt.
Durch acht neue Maßnahmen wird ein weiterer bedeutender Schritt zur Verbesserung des Lebensraumes Mur und des passiven Hochwasserschutzes gesetzt werden. Auf einer Länge von rund 90 km, von Murau bis in den Bereich von Kraubath, werden im LIFE+ Natur-Projekt in acht verschiedenen Abschnitten der Mur wieder flusstypische Strukturen wie Nebenarme, Schotterbänke, Flachufer, Auwälder und Autümpel geschaffen bzw. initiiert.
A - Auenmanagement Mauthof (Bez. Murau)
B - Auenmanagement Sauerbrunn - Pöls (Bez. Murtal)
C - Auenmanagement Thalheim - St. Peter/Judenburg (Bez. Murtal)
D - Auenmanagement Apfelberg (Bez. Murtal)
E - Auenmanagement Lässer-Au (Bez. Murtal)
F - Auenmanagement Feistritz - St. Lorenzen (Bez. Murtal)
G - Strukturierung Preg (Bez. Murtal)
H - Auenmanagement Kraubath (Bez. Leoben)
Folgende Maßnahmen sind bereits in Planung und/oder Umsetzung:
A - Auenmanagement Mauthof (Bez. Murau)
Mit der Umsetzung der Maßnahme Mauthof wurde bereits im Projekt Murerleben I begonnen. Im laufenden Projekt Murerleben II entstehen Laichhabitate für Amphibien im Gesamtausmaß von rund 2000m². Diese Tümpel werden in eine Entwicklungsfläche (3.500m²) für die weiche Au eingebettet.
D - Auenmanagement Apfelberg (Bez. Murtal)
Das Auenmanagement Apfelberg zählt zu einem Maßnahmenkomplex, durch den eine strukturreiche Fließstrecke im Ausmaß von 3,9 km erreicht werden soll. Die Maßnahme Auenmanagement Apfelberg umfasst eine Fläche von rund 2,3 ha.
E - Auenmanagement Lässer-Au (Bez. Murtal)
Das Auenmanagement in der Lässer-Au zählt zu einem Maßnahmenkomplex, durch den eine strukturreiche Fließstrecke im Ausmaß von 3,9 km erreicht werden soll. Zu den Maßnahmen gehören die Anlage eines rund 900 m langen Nebenarmes mit teilweiser Geländeabsenkung, die Öffnung der Ufersicherung, die Anlage von Autümpeln im Ausmaß von rund 4.000 m², die Initiierung der Auwaldentwicklung im Ausmaß von rund 3,5 ha sowie die Sicherung der Auwaldbestände im Ausmaß von rd. 4,5 ha. Die Umsetzung begann Mitte Juni 2012 und soll nach einer geplanten Bauzeit von drei bis vier Monaten im Oktober 2012 fertig gestellt werden.
F - Auenmanagement Feistritz - St. Lorenzen (Bez. Murtal)
Hier soll eine strukturreiche Fließstrecke im Ausmaß von 6,6 km erreicht werden. Die Maßnahme Auenmanagement Feistritz - St. Lorenzen umfasst eine Fläche von rund 4,3 ha.
G - Strukturierung Preg (Bez. Murtal)
Im Gebiet dieser Maßnahme weist die Mur ein gestrecktes strukturarmes Gewässerbett auf. Das Ziel der Maßnahme ist daher, eine strukturreichere Gewässerstrecke zu schaffen.
„Murerleben" - LIFE+ punktet mit zahlreichen Schülerprojekten
Schon beim ersten LIFE Natur-Projekt „Murerleben" (2003-2007) spielten Schülerprojekte eine wesentliche Rolle. Ein Engagement, das sogar mit dem Umweltschutzpreis des Landes Steiermark ausgezeichnet wurde. Auch am derzeitigen LIFE+ Natur-Projekt hat sich wieder eine Vielzahl von SchülerInnen heimischer Schulen mit diversen Projekten beteiligt.
Detaillierte Informationen finden Sie unter www.murerleben.at
Zusätzliche Informationen:
