Link zur Startseite

KLIMAWANDEL – Eine Gefahr oder Herausforderung für Österreichs Wasserwirtschaft?

Das wichtigste Gut „Wasser“ rückt wieder in den Mittelpunkt - anlässlich der ÖWAV-Tagung (22./23. Oktober 2008) diskutieren Experten über die Auswirkungen des Klimawandels auf die verschiedensten Gebiete der Wasserwirtschaft

v.l.n.r.: Hofrat DI Johann Wiedner, ÖWAV-Präsident DI Roland Hohenauer, Landesrat Johann Seitinger, ÖWAV-Vizepräsident © Wasserland / Spätauf
v.l.n.r.: Hofrat DI Johann Wiedner, ÖWAV-Präsident DI Roland Hohenauer, Landesrat Johann Seitinger, ÖWAV-Vizepräsident
© Wasserland / Spätauf

Österreich und die Steiermark können sich dem globalen Klimawandel nicht entziehen. Der Wasserwirtschaft kommt dabei eine ganz besondere Rolle zu. Wasser als Grundelement stellt in seinen verschiedensten Erscheinungsformen ein zentrales Element für das Leben von Menschen und Tieren, aber auch für die Wirtschaft, dar. „War schon bisher der sorgsame Umgang mit dem kostbaren Gut ‚Wasser' und auch seinen Gefahren für die Menschen und Güter ein wichtiges Ziel für die Steiermark, so ergeben sich durch den Klimawandel neue Herausforderungen für die Wasserwirtschaft", so Wasser-Landesrat Johann Seitinger zur zweitägigen Tagung des Österreichischen Wasser- und Abfallwirtschaftsverbandes (ÖWAV) in Graz zum Thema „Klimawandel und Wasserwirtschaft".

„Die Steiermark darf sich glücklich schätzen, dass nunmehr 90% der Haushalte mit hygienisch einwandfreiem Trinkwasser versorgt werden können und 10% der Landesfläche als Wasserschongebiete zum Schutz der Wasservorkommen dienen", so der Landesrat weiter. Zur Sicherung der öffentlichen Wasserversorgung für die Bevölkerung werden in der Steiermark jährlich rund 25 Millionen Euro aufgewendet. Mit dem in Umsetzung befindlichen „Wassernetzwerk - Steiermark" - ein 50 Mio. € großes Sonderinvestitionsprogramm - wird die Trinkwasserversorgung in der Steiermark langfristig, auch gegen klimabedingte Einflüsse gesichert.

Einzelne Schwerpunkte der ÖWAV-Tagung im Überblick:
Künftig wird durch den Klimawandel in Mitteleuropa ein besonderes Augenmerk auf die Berücksichtigung der aktuellen und mittelfristigen Entwicklungen bei der Niederschlagsverteilung zu legen sein sowie ganzheitliche vorausschauende Planungen auf Basis von Trendszenarien werden zu wichtigen Grundlagen.

„Im Vergleich mit anderen Ländern besteht für Österreich noch keine umfassende Studie über Klimafolgen. Allein durch die Erwärmung ist eine Reihe von Sektoren der Wasserwirtschaft betroffen. In den niederschlagsarmen Regionen Österreichs führt sie im Sommer zu einer Abnahme der Grundwasserneubildung und der Bodenfeuchte, wodurch Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktion zu erwarten sind", hebt DI Dr. Hans-Peter Nachtnebel, Universität für Bodenkultur Wien und Leiter des ÖWAV-Arbeitskreises „Klimawandel" hervor.

 

Die Infrastruktur zur Wasserversorgung- und Abwasserentsorgung wurde unter Berücksichtigung der aktuellen wasserwirtschaftlichen Rahmenbedingungen entwickelt. Ein Klimawandel erfordert die Anpassung dieser Infrastruktureinrichtungen zur Sicherung der Wasserversorgung aber auch zur Erhaltung des Gewässerschutzes. Der Sicherstellung und Erhaltung des hohen Niveaus einer hochwertigen Entsorgung kommt in Hinblick auf zu erwartende Veränderungen in den Niederwasserführungen unserer Flüsse (z.B. durch Trockenperioden) zur Erhaltung der Wasserqualität besondere Bedeutung zu.

Neue Gefahren für Mensch und Tier sowie für Infrastrukturen, Industrie und Gewerbe können sich aus einem geänderten Niederschlagsverhalten ergeben. Alleine das Hochwasser 2002 verursachte europaweit einen Schaden von 17,4 Billionen Euro. Hochwasserschutz als Bestandteil für die Raumentwicklung ist ein wichtiger Teil zur Sicherung der Lebensräume sowie der Wirtschaftsentwicklung. „Extreme Naturereignisse, die sich der rechtzeitigen Prognose entziehen, werden auch in Zukunft große Schäden verursachen. Einen vollkommenen Schutz davor gibt es nicht. Der ÖWAV kann aber als Informations- und Kommunikationsdrehscheibe einen wichtigen Beitrag zur Mitgestaltung von neuen Entwicklungen in der Wasserwirtschaft leisten", betont ÖWAV-Präsident DI Roland Hohenauer.

Die Wasserkraft ist im Zusammenhang mit dem Klimawandel einerseits im Betrieb betroffen andererseits gilt sie als klimaschonende Energiegewinnung. „Die alpine Wasserkraft sieht im möglichen Klimawandel keine grundsätzliche Bedrohung. Wir sind gewohnt, mit Klimaschwankungen umzugehen, die Anlagen sind auf Extremereignisse ausgelegt. Energiewirtschaftlich ist es allerdings unbedingt erforderlich, dieses Thema europaweit zu betrachten", so Vorstandsdir. von der Verbund - Austrian Hydro Power AG und ÖWAV-Vizepräsident Ing. Mag. Michael Amerer ergänzend.

Für die Wasserwirtschaft bedeutet das Thema Klimawandel insgesamt aber keine Gefahr sondern eine Herausforderung. Die Entwicklung fundierter dynamischer Konzepte und Maßnahmenprogramme als Grundlagen sind künftig zu forcieren.

Das Thema „Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie stellt das einheitliche Wassermanagement der europäischen Staaten in den Vordergrund. Nach einer umfassenden Bestandsdarstellung, Analyse möglicher Zielverfehlungen, wurden erste Maßnahmenprogramme entwickelt. Im ersten Halbjahr 2009 wird dazu eine umfassende Öffentlichkeitsbeteiligung durchgeführt, bevor die Projekte in Brüssel vorgelegt werden.

„Vieles ist bereits in der Vergangenheit mit der Unterstützung von Bund und Land mit Weitblick in Österreich geleistet worden. Angesichts der sich abzeichnenden Veränderungen kann sich Österreich glücklich schätzen, auf einem derart guten Fundament aufbauen zu können. Es wird aber noch intensiver gemeinsamer Anstrengungen auf breiter Basis bedürfen, um durch geeignete Maßnahmen mögliche negative Auswirkungen für die Bevölkerung effizient zu verhindern. Lokale Vernetzungen, regionale, nationale bzw. internationale Zusammenarbeit können bei der Entwicklung von gemeinsamen Strategien da nur der Anfang sein. Erfahrungsaustausch und Verbesserung der Kenntnisse über Ursachen und Wechselwirkungen bei allen Verantwortlichen liefern dazu einen wichtigen Beitrag", so Landesrat Seitinger abschließend.