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Hochwasserschutz am Mittereggbach

(Deutschlandsberg)

Der Mittereggbach,

ein linksufriger Zubringer zur Laßnitz, entspringt nordöstlich von Deutschlandsberg im Gebiet von Oberlaufenegg am Fuße der Koralm. Er entwässert bei einer Lauflänge von rd.5km ein Einzugsgebiet von 5,2km2. In seinem Oberlauf durchfließt der Mittereggbach steiles, bewaldetes Gelände. Bedingt durch die Steilheit treten bei Starkregen große Abflußspitzen auf.
Der Talboden, vor allem im Mündungsbereich, war früher kaum besiedelt, es herrschte Grünlandwirtschaft vor. Mittlerweile haben sich dort Siedlungen entwickelt bzw. Industriebetriebe niedergelassen. Die dadurch bedingte Bodenversiegelung wirkt sich zusätzlich negativ auf das Abflußgeschehen aus.

Regulierungen

Mitteregbach - Vorfluter © Archiv A14
Mitteregbach - Vorfluter
© Archiv A14
In den Sechziger und Siebziger Jahren wurde der Mittereggbach, früher auch Mittergrabenbach genannt , als landwirtschaftlicher Vorfluter ausgebaut. Der Bachlauf wurde dabei nach Süden verlegt und gestreckt.
Zur Ausführung kam ein Trapezprofil, die Sohle wurde mit Betonhalbschalen ausgelegt. Die während der Bauphase zwischen 1964 und 1968 mehrfach aufgetretenen Hochwässer erforderten eine massive Sicherung der Böschungen mit Wasserbausteinen. Die heutige Schutzwasserwirtschaft stellt neben dem Schutz der Siedlungsgebiete sowie der Gewerbe- Industrie- und Verkehrsflächen vor Schäden und Zerstörungen auch die Erhaltung bzw. Verbesserung der ökologischen Funktionsfähigkeit der Gewässer in den Vordergrund.

Veranlassung

Das letzte große Hochwasserereignis im Jahre 1986 setzte unter anderem auch ein bedeutendes Industrieareal unter Wasser. Die Hochwasserabfuhrkapazität lag im Projektabschnitt unter HQ30, wofür in erster Linie die enge Profilgestaltung der alten Regulierung verantwortlich war. Für Siedlungen und bedeutende Wirtschaftsanlagen ist jedoch entsprechend den Richtlinien für den Schutzwasserbau der Schutz vor 100-jährlichen Hochwässern erforderlich.

Projekt & Finanzierung

Nachdem alternative Möglichkeiten (Hochwasserrückhalt)zufolge nicht verfügbarer Grundstücke auszuscheiden waren, mußte der Hochwasserschutz durch aktive Maßnahmen in Form von Profilaufweitungen erfolgen.
Das Projekt reicht von der Mündung in die Laßnitz bis zur Brücke Lagergasse (1,7km). Die Ausbauwassermenge beträgt 24m3/s (HQ100).

Hydrologische Charakteristik des Mittereggbaches an der Mündung in die Laßnitz:

Durchschnittlicher Jahresniederschlag: 1060mm

MQ: 0,075 m3/s HQ1: 3 m3/s HQ5: 8 m3/s HQ10: 11 m3/s
HQ25: 15 m3/s HQ50: 19 m3/s HQ100: 24 m3/s  

Entsprechend den Anforderungen des naturnahen Wasserbaues wurde parallel zum technischen Projekt eine gewässerökologische Fachplanung durchgeführt. Da an den Mittereggbach im we sentlichen Siedlungen, Industrieanlagen und bereits gewidmetes Bauland angrenzen, mußte aus Kostengründen auf eine großzügigere Einbindung des Umlandes verzichtet werden. Daher kommt vor allem den strukturierenden Initialmaßnahmen im Gewässerbett und der Bereitstellung von Uferstreifen größte Bedeutung zu.
Zielvorgabe für den Hochwasserschutz ist die Gewährleistung der Abfuhr des 100-jährlichen Hochwassers. Aus gewässerökologischer Sicht verfolgen die Eingriffe den Zweck, die Eigendynamik zu initiieren und einer dynamischen Entwicklung freien Lauf zu lassen, ohne dabei die Sicherheit zu gefährden.
Die Baukosten betragen einschließlich Projektierung und Grundablösen öS 8.000.000 und wurden gemäß dem Wasserbautenförderungsgesetz zu 40% vom Bund, zu 40% vom Land Steiermark und zu 20%von der Stadtgemeinde Deutschlandsberg, die auch als Rechtsträgerin und Bauherrin fungierte, aufgebracht. Das Bauvorhaben wurde in den Jahren 1995/96 ausgeführt.

Maßnahmen

Mittereggbach - Profilaufweitung © Archiv A14
Mittereggbach - Profilaufweitung
© Archiv A14
Der Hochwasserschutz wird durch zumeist einseitige Profilaufweitung von 7 auf 12 m Kronenbreite erreicht. Die Halbschalen der Sohlbefestigung wurden durchgehend entfernt. Insgesamt kamen 6 Bautypen zum Einsatz.
Als wesentlichste Ausführungsgrundsätze sind zu nennen: teilweise Sohlaufweitungen, Sohlsicherung gegen Eintiefung mittels Holz- und Steinschwellen, Initiierung kleiner Inseln in Sohlaufweitungsbereichen, Einbringen von Sohlsubstrat (Geschiebemangel), Vorgabe eines Niederwassergerinnes, Ufersicherung, wo möglich mittels Holz-, wo notwendig mittels Steinbauweisen, Erosionsschutz der Ufer durch Kokosmatten, variable Böschungsgestaltung, standortgerechte Bepflanzung (2000 Bäume, 3000 Sträucher).

Resümee

Mittereggbach - Sohl- und Uferstrukturierung © Archiv A14
Mittereggbach - Sohl- und Uferstrukturierung
© Archiv A14
Mit diesem Projekt konnte die Hochwassergefahr für die im Nahbereich des Mittereggbaches befindlichen Siedlungs- und Industriegebiete auf ein Minimum herabgesetzt werden. Nicht zuletzt dadurch war eine Betriebserweiterung und demzufolge die Sicherung bzw. Schaffung von Arbeitsplätzen in der Region möglich.
Aus ökologischer Sicht konnte ein linear ausgebautes, landwirtschaftliches Vorflutgerinne durch einfache Maßnahmen im Niederwasserbereich hinsichtlich seiner strukturellen Ausstattung deutlich aufgewertet werden. Das Habitatangebot für die im und am Gewässer beheimateten Lebensgemeinschaften präsentierte sich bereits kurz nach Baufertigstellung wesentlich differenzierter als vorher.
Nicht unerwähnt bleiben soll das Engagement der Schüler des BORG-Deutschlandsberg bei den Bepflanzungsmaßnahmen (Projektunterricht). Es ist zu erwarten, daß der neu gestaltete Mittereggbach, trotz der Intensivnutzung des Umlandes, seine Aufgabe als "ökologische Zelle Fließgewässer", in Zukunft weitaus besser erfüllen können wird als bisher.

Überblick

Gewässer u. Projektabschnitt: Mittereggbach von der Mündung in die Laßnitz bis zur Brücke "Lagergasse" in Unterlaufenegg
Lage: Steiermark, Stadtgemeinde Deutschlandsberg
Gewässercharakteristik: Voralpengebirgsbach, Mittellauf- bzw. Unterlaufabschnitt. Sohlgefälle durchschnittlich 10‰, im Mündungsbereich 5‰
Regulierung: In den Sechziger und Siebziger Jahren Ausbau mit Trapezprofil, Sohle mit Betonhalbschalen ausgelegt, Böschungen massiv gesichert
Probleme: Zu enges Abflußprofil, Ausuferung bereits unter HQ30, kaum Geschiebenachfuhr Gefährdete Bereiche: Siedlungen, ein Industrieareal
Zwangspunkte: 6 Brücken, zahlreiche Querungen von Ver- und Entsorgungsleitungen (Wasser, Gas, Abwasser etc.)
Projekt: Aktiver Hochwasserschutz unter Bedachtnahme auf die Verbesserung der ökologischen Funktionsfähigkeit.
Erhöhung der Hochwasserabfuhrkapazität auf HQ100 (24m3/s)

Maßnahmen (technisches und ökologisches Projekt):
  • Profilaufweitung von 7m auf 12m Kronenbreite 
  • Entfernung der Betonhalbschalen aus der Sohle
  • Sohlsicherung mittels Holz- und Steinschwellen
  • Sohlaufweitung (teilw. Initiierung kleiner Inseln)
  • Einbringen von Sohlsubstrat (Geschiebemangel)
  • Vorgabe eines Niederwassergerinnes (Lenkung des Stromstriches, differenzierte Strömungsmuster)
  • Erosionsschutz der Ufer durch Kokosmatten
  • Ufersicherungen wo möglich Holz-, wo notwendig Steinbauweise
  • Variable Böschungsgestaltung
  • Standortgerechte Bepflanzung

Erfolg:

Schutzwasserbau:
Schutz der im Nahbereich befindlichen Siedlungen und Industrieflächen
Gewässerökologie:
Rückbau eines landwirtschaftlichen Vorflutgerinnes, damit differenziertes Habitatangebot für die Lebensgemeinschaften im und am Fließgewässer, Initiierung einer "ökologischen Zelle Fließgewässer”

Bauherr: Stadtgemeinde Deutschlandsberg
Bauausführung: BBL Leibnitz