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Hochwasserschutz an der Raab

(Gleisdorf, Albersdorf-Prebuch, Ludersdorf-Wilfersdorf)

DIE RAAB

Das Abflußgeschehen der Oststeiermark wird durch die Hauptflüsse Raab, Feistritz und Lafnitz bestimmt. Die Raab entspringt auf einer Seehöhe von 1.150 m ü.A. am Südost-Abhang der Passailer Alpen und entwässert ein Einzugsgebiet von rd. 1020 km2 (Steiermark: rd. 890 km2). Bis Oberdorf durchfließt sie das Kristallin der Zentralalpen, flußabwärts von Oberdorf tritt sie in das oststeirische Hügelland ein und verläßt bei Schiefer steirisches Landesgebiet. Bei Mogersdorf (österreichisch-ungarische Staatsgrenze) erreicht die Raab die kleine ungarische Tiefebene. Nach rd. 250 km Fließstrecke (Steiermark rd.
95 km) mündet sie schließlich in der Nähe von Györ auf einer Seehöhe von rd. 100 m ü.A. in einen Seitenarm der Donau.

Die Gewässergüte der Raab reicht von I-II im obersten Abschnitt bis zu II-III flußabwärts von Fladnitz. Der Fluß ist durchgehend von energiewirtschaftlichen Nutzungen und v.a. im Mittel- und Unterlauf von der bis ans Gewässer reichenden, großteils intensiven Landbewirtschaftung geprägt.

VERANLASSUNG

Ziel des Projektes „Hochwasserschutz Stadt Gleisdorf und Umgebungsgemeinden" ist der Schutz von Siedlungs- und Industriegebieten sowie von Verkehrswegen in der Stadtgemeinde Gleisdorf und in den Gemeinden Albersdorf-Prebuch und Ludersdorf-Wilfersdorf bis zu einem hundertjährlichen Hochwasserereignis (HQ100). 233 Objekte und Flächen im Ausmaß von 130 ha sind derzeit hochwassergefährdet.

PROJEKT

In einer vorgeschalteten Variantenuntersuchung wurden unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten für den Hochwasserschutz im Raum Gleisdorf verglichen. Untersucht wurden einerseits ausschließlich lineare Ausbaumaßnahmen und andererseits eine Kombination von Linearmaßnahmen mit einem Hochwasser-Rückhaltebecken im Seitenschluß. Bei allen Varianten umfaßt der erzielte Schutzgrad zumindest das HQ100.

Nachdem mit der Kombination von Linearmaßnahmen und einem Hochwasserrückhaltebecken im Seitenschluß die Planungsgrundsätze der „Technischen Richtlinien für die Bundeswasserbauverwaltung (RIWA-T, 1994)
  • Vermeidung aller abflußverschärfenden und erosionsfördernden Maßnahmen
  • Unterstützung aller Möglichkeiten des Hochwasserrückhaltes
  • Erhaltung vorhandener natürlicher bzw. Reaktivierung verloren gegangener, natürlicher Retentionsräume
  • Berücksichtigung der ökologischen Funktionsfähigkeit des Gewässers
  • Möglichst HQ100 Schutz für Siedlungen und bedeutende Wirtschaftsanlagen
  • Vermeidung von Verrohrungen und Eindeckung

erfüllt werden können, wurde diese Variante zur Ausführung vorgeschlagen. Trotz des höheren Grundstückbedarfes erreicht sie auch die höchste Anrainerakzeptanz, was durch vorliegende Gemeinderatsbeschlüsse dokumentiert wird. Parallel zur technischen Projektierung wurde eine ökologische Fachplanung erstellt.

Die Umsetzung des Projektes erfolgt von 1997-1999, wobei die Stadtgemeinde Gleisdorf und die Gemeinden Albersdorf-Prebuch und Ludersdorf-Wilfersdorf als Bauherren fungieren.

MASSNAHMEN

Folgende Ausbaugrundsätze sind den Maßnahmen zugrundegelegt:
  • Ausbau der Raab bis zur Einmündung des Vorflutgrabens auf 165 m3/s
  • Ausbau der Raab ab der Einmündung des Vorflutgrabens in die Raab auf 183 m3/s
  • Errichtung eines Rückhaltebeckens
  • Ausbau des Vorflutgrabens auf die erforderliche Abfuhrleistung von 18 m3/s.
Bei der Wahl der Baumaßnahmen wurde darauf geachtet, daß bestehender, intakter Uferbewuchs erhalten bleibt und vorhandene Strukturen genutzt werden.

Linearmaßnahmen

Entsprechend den Platzverhältnissen werden die außerhalb des Abflußprofiles liegenden Hochwasserschutzbauten entweder als Erddamm oder als Betonmauer errichtet.
Erddämme werden in jenen Bereichen, wo genügend Platz für die Dammaufstandsflächen vorhanden sind, eingesetzt.
Betonmauern wiederum kommen in beengten Abschnitten, wo die Platzverhältnisse für Erddämme nicht ausreichend sind,zum Einsatz.
Als weitere Bautypen gelangen je nach Platzverhältnissen Erddämme mit wasserseitigen bzw. mit wasser- und luftseitigen Böschungsfußsicherungen zur Umsetzung. Im Bereich der Betonmauern werden die Ufer mittels Geotextil und Weidenstecklingen gesichert. Im Flußbett selbst werden die vorhandenen Ufersicherungen aus Wasserbausteinen saniert und in zwei Bereichen Steinbuhnen als Leitwerke eingebaut.
Ein Kernstück der Hochwasserschutzmaßnahmen erstreckt sich linksufrig von der Gießgrabenbachmündung bis rd. 1 km flußabwärts.
Dort verläuft der Erddamm etwa 50 m abgerückt vom bestehenden Ufer parallel zur bestehenden Böschung. Das Gebiet zwischen Fluß und Damm dient im Hochwasserfall als zusätzliche Retentionsfläche und steht für ökologische Maßnahmen zur Verfügung.
Eine zweite „Flußaufweitung" ist flußaufwärts des Gliederwehres ebenfalls am linken Ufer vorgesehen.

Hochwasserrückhaltebecken

Der Abschlußdamm des Hochwasserrückhaltebeckens wird parallel zur B54 auf einer Länge von 175 m als homogener Erddamm errichtet. Die maximale Dammhöhe über Urgelände beträgt 4,30 m. Bei Vollfüllung umfaßt die Wasserfläche 19 ha, bei Erreichen des gewöhnlichen Stauzieles befinden sich rd. 178.000 m3 Wasser im Rückhaltebecken. Als Grundablaß wird der bestehende Vorflutgraben herangezogen, das Durchflußvermögen liegt bei 18 m3/s. Die Durchflußsteuerung erfolgt automatisch über den Wasserstand. Ab einem HQ30 in der Raab beginnt der Einstau im HW-Rückhaltebecken.

Streichwehr mit Überströmgerinne

Zwischen Flußkilometer 65,9 und 66,0 erstreckt sich auf knapp 100 m Länge ein Streichwehr am rechten Ufer. Das Streichwehr dient der Hochwasserentlastung der Raab. Ab einem HQ10 springt das Streichwehr an, bei einem HQ100 werden 35m3/s über das Wehr abgeworfen, sodaß in der Raab statt 200 m3/s nur noch 165 m3/s abzuführen sind. Dies entspricht einer Reduktion des Hochwasserabflusses im Hauptgerinne um fast ein Fünftel.
Die über das Streichwehr abgeleiteten Wassermengen werden über ein 140 m langes und rd. 8 m breites Überströmgerinne mit einer Mindesttiefe von 1,50 m dem bestehenden Vorflutgraben zugeführt. Dieses Gerinne wurde angelegt, um eine Überflutung der Grundstücke im Bereich des HW-Rückhaltebeckens bei Hochwasserereignissen zwischen HQ10 und HQ30 zu vermeiden.

Vorflutgraben

Der Vorflutgraben wird auf eine Hochwasserabfuhrkapazität von 18 m3/s ausgebaut.

Freiberger Straße

Die Gemeindestraße auf den Freiberg muß im Bereich des HW-Rückhaltebeckens um maximal 2 m angehoben werden.

Brückenhebung bzw. -neubau

Die Werksbrücke der Fa. Binder muß zur Sicherstellung der erforderlichen Durchflußleistung um 40 cm erhöht werden. Dies wird durch die Hebung der Tragwerkskonstruktion erreicht.
Bei der Frankenbergbrücke ist die ordnungsgemäße Abfuhr des Bemessungshochwassers ebenfalls nicht möglich. Nachdem hier außerdem noch die Durchfahrtshöhe zwischen Frankenbergbrücke und Autobahnbrücke gewährleistet bleiben muß, ist auch eine Hebung des Tragwerkes nicht möglich. Die bestehende Frankenbergbrücke wird daher abgetragen und 20 m flußabwärts neu errichtet.

Hinterlandentwässerung

Für die Hinterlandentwässerung ist vorgesehen, einerseits eine Abflußertüchtigung bestehender Entwässerungsgräben durchzuführen.
Andererseits werden entlang der Hochwasserschutzdämme ausreichend dimensionierte Rohrdurchlässe eingebaut.

Gewässerökologie

Der Einsatz verschiedener Bautypen bzw. unterschiedlicher Böschungsfußsicherungen bei den Linearmaßnahmen gewährleistet grundsätzlich, daß die Lebensräume der aquatischen, semiaquatischen und flußnahen Biozönosen nicht verloren gehen. Auch werden ökologisch wertvolle Bereiche in ihrem Zustand im wesentlichen nicht verändert.
Die Bepflanzungsmaßnahmen im gesamten Projektgebiet sind auf die jeweiligen Erfordernisse abgestimmt (Ausführung der Dämme) und umfassen Gehölzbestandssicherung bzw. -ergänzung, Neupflanzungen und Sukzessionsflächen.
Im Abschnitt zwischen der Gießgrabenmündung bis rd. 1 km flußabwärts, dem Herzstück der ökologischen Maßnahmen, stehen fast 5 ha Grundfläche zur Anlage eines Begleitgerinnes mit Stillwasser- und Wechselwasserzonen zur Verfügung. In diesem Abschnitt werden eine Reihe von Detailmaßnahmen zur Erhöhung der Strukturvielfalt im und am Gewässer umgesetzt:
Sukzessionsfläche © Archiv A14
Sukzessionsfläche
© Archiv A14
  • Anlage von Inseln
  • enge Verzahnung Wasser-Land mittels entsprechender Uferlinien bzw. Böschungsgestaltung bzw. Anlage von Strukturelementen im Wasser
  • Seicht- und Tiefwasserzonen
  • Initialbepflanzungen mit standortgemäßen Pflanzen
  • Belassen von Sukzessionsflächen Initiierung von Kiesbänken etc.
Eine weitere ökologische Ausgleichsfläche befindet sich im Bereich flußaufwärts der Wehranlage Glieder, wobei hier die verfügbare Grundfläche deutlich kleiner ist.

RESÜMEE

ökologische Ausgleichsfläche © Archiv A14
ökologische Ausgleichsfläche
© Archiv A14
Mit dem vorliegenden Projekt wird die Hochwasser-gefährdung in der Stadt Gleisdorf und in den Gemeinden Albersdorf-Prebuch und Ludersdorf-Wilfersdorf auf ein Minimum reduziert. Durch die Kombination von Linearmaßnahmen und Hochwasserrückhalt ist es gelungen, an der durch unterschiedlichste Nutzungen stark beeinträchtigten Raab sowohl einen ausreichenden Hochwasserschutz bei größtmöglicher Bestandsschonung als auch gewässerökologisch wichtige Strukturelemente neu zu schaffen.
Die Projektabwicklung und -betreuung wurde federführend von der Bundeswasserbauverwaltung durchgeführt. Durch die Verwirklichung dieses Projektes wird es zukünftig zu Impulsen für den regionalen Entwicklungsstandort Gleisdorf/ Albersdorf-Prebuch kommen.

ÜBERBLICK

Lage: Steiermark, Bezirk Weiz;
Gemeinden Gleisdorf, Albersdorf-Prebuch, Ludersdorf-Wilfersdorf
Gewässer: Raab
Gewässercharakteristik: Mittellauf, Sohlgefälle 1-3‰
Gefährdete Bereiche: Siedlungs- und Industriegebiete, Verkehrswege: 233 Objekte, 130 ha
Projekt: HW-Schutz bis HQ100 durch lineare Ausbaumaßnahmen an der Raab und eine Hochwasserrückhalteanlage im Seitenschluß

Schutzwasserbauliche Maßnahmen:
  • Linearmaßnahmen in unterschiedlicher Ausführung entlang der Raab, z.T. deutlich von der Raab abgesetzt; grundsätzlich 4 Bautypen (mit Sub-Typen insgesamt 7)
  • Hochwasserrückhalteanlage mit Abschlußdamm parallel zur B54 Wechselbundesstraße, Ausführung als homogener Erddamm mit Filterkörper im Bereich des luftseitigen Böschungsfußes
  • Streichwehr mit Überströmgerinne ca. bei Flußkilometer 66,0

Zusätzliche Maßnahmen:
  • Abtrag und Neuerrichtung der Frankenbergbrücke
  • Hebung der Binderbrücke
  • Ökologische Maßnahmen:
    Neu- und Ergänzungspflanzungen entlang der Raab und im Bereich der Maßnahmen
  • Schaffung eines Nebenarmes mit Stillwasser- und Wechselwasserzonen flußabwärts der Gießgrabenmündung
  • Ökologische Ausgleichsfläche flußaufwärts des Gliederwehres
  • Reaktivierung des Altarmes
Herstellungskosten: rd. ATS 57 Mio.

Finanzierung:
   Bundesmittel 68%
   Landesmittel 22%
   Interessentenbeitrag: 10%
   Stadtgemeinde Gleisdorf und Gemeinden
   Albersdorf-Prebuch, Ludersdorf-Wilfersdorf

Bauherren:
   Stadtgemeinde Gleisdorf und Gemeinden
   Albersdorf-Prebuch
   Ludersdorf-Willersdorf

Planung: Zivilingenieur Dipl.-Ing. A. Turk, Gleisdorf
Bauausführung: TEERAG-ASDAG, Hartberg
Bauzeit: 1997 - 1999
Bauaufsicht: BBL Graz-Umgebung